Rettet den Kirchplatz - Kein Monstrum am Nadelöhr

Ortsnah einkaufen, wer möchte das nicht. Niemand geht gerne weite Wege, um Dinge des täglichen Bedarfs besorgen zu müssen. In Oberhaching haben das Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) und seine Parteigenossen offensichtlich besonders ernst genommen. So ist geplant, dass die Gemeinde zwei Grundstücke  an einen CSU Gemeinderat verkauft, damit dieser dort einen Supermarkt mit rund 1290 m² mit Backshop nebst Drogeriemarkt mit nochmals 700 m² Verkaufsfläche errichten kann.

 

Zusätzlich und unabhängig vom öffentlich heftig kritisierten Bauvorhaben am Kirchplatz soll in einer Entfernung von rund 930 m ein weiterer Supermarkt mit nochmals 800 m² Fläche errichtet werden. Der Umstand, dass dieses Bauvorhaben wiederum von einem CSU - Mitglied und ehemaligem Gemeinderat projektiert wird, gibt dem Thema zusätzliche Schärfe.

 
Für den Oberhachinger Bürgermeister kam der Widerstand zu seinem geplanten Supermarkt nicht überraschend. Insgesamt vier Gutachter wurden auf einer öffentlichen Informationsveranstaltung aufgeboten, um das Bauvorhaben mitten im Ortszentrum am historisch wichtigen Kirchplatz zu rechtfertigen.


„Als ausgesprochenen Glücksfall für die Gemeinde“ bezeichnete der vom beteiligten CSU -Gemeinderat beauftragte Architekt Hoeldrich den Standort inmitten des Ortszentrums. Das war eine Ohrfeige für die Kritiker und erweckte erheblichen Unmut und Missstimmung.


Einer der Hauptkritikpunkte an dem Riesenprojekt war die schon jetzt hohe und durch den Laden noch steigende Verkehrsbelastung am Oberhachinger Nadelöhr. „Die aktuelle Verkehrszählung, so wie sie von der Gemeindeverwaltung vorgestellt wurde, beruht auf einer einstündigen Zählung eines Mitarbeiters der Bauabteilung vom 7. Juli 2011 von 17-18 Uhr. Die von der Verwaltung beauftragten Gutachter haben diese Zahlen hochgerechnet und sind dabei zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, nämlich 11.000 gegenüber 7.000 Fahrten pro Tag, gekommen. Das ist unglaubwürdig." ,so der ortsansässige Internist Dr. Ludwig Ertl und weiter: „Dieses Ladenzentrum mit Backshop und Vollsortimenter wird unseren Kirchplatz mit Bäcker und Metzger nicht beleben, sondern entvölkern und ersticken.“


Dass dieser Supermarkt nicht nur den umliegenden Anwohnern ein Dorn im Auge ist, sondern auch dem grundsätzlichen Mobilitäts- und Einkaufsverhalten vieler Oberhachinger Bürger widerspricht, verdeutlicht der Oberhachinger Gemeinderat und VFWO - Vorsitzende Marcus Franklin: " Während  unsere Nachbargemeinden gegen den Fuchsbandwurm impfen, Städte- und Gemeindepartnerschaften bilden, Einzelhandelsunternehmen in Ortsrandlagen und  Gewerbegebieten ausweisen, erteilt Herr Schelle den Bürgern Denkverbot. Das entspricht nicht den Bedürfnissen unserer Gesellschaft mit Doppelverdienern, Zeitknappheit und einmal wöchentlichem Großeinkauf. Im Gemeinderat sind uns auch keine Alternativen zur Entscheidung vorgelegt worden.“

 
Konrad Lauer, ortsansässiger Unternehmer sieht schon allein aus ganz pragmatischer Sicht Probleme bei der Umsetzung dieses Vorhabens. „Die uns vorgelegten Pläne zeigen eindeutig und unmissverständlich, dass eine Belieferung des geplanten Supermarktes für LKW nicht möglich ist. Der Wendekreis dieser Fahrzeuge ist derart groß, dass angrenzende Gebäude abgerissen werden müssten, um hier überhaupt die Voraussetzungen zu schaffen. Von der Verkehrsbelastung, die solche LKW zusätzlich in der ohnehin sehr engen Straße verursachen, einmal ganz abgesehen."


Die Kritiker dieses Projekts stehen ortsnahen Einkaufsmöglichkeiten grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. So stellt die Oberhachingerin Karin Rehberg klar: „Ich bin generell schon für eine Einkaufsmöglichkeit in Oberhaching. Ich bin aber gegen eine Bebauung dieses Grundstückes unter diesen falschen Voraussetzungen und falschen Grundlagen sowie in diesem Umfang. So hat sich beispielsweise sehr deutlich gezeigt, dass diese völlig fehlerhafte Planung zu falsch berechnetem Stellplatzbedarf in der Tiefgarage geführt hat. Legt man die Parkplatzsatzung der Gemeinde zu Grunde, ergibt sich ein Bedarf von 300 Parkplätzen. Es sind aber nur 117 geplant und von der Bauverwaltung für ausreichend befunden worden."  Die engagierte Ingenieurin weist mit ihrer Analyse nach, dass der Bedarf an Parkmöglichkeiten mit diesem Projekt nicht annähernd gedeckt werden kann.

 

Die Planung einer ortsnahen Versorgung für Oberhachinger Bürger ist in vielerlei Hinsicht ein sehr komplexes Unterfangen. Der von der Gemeindeverwaltung beauftragte Berater Christian Hörmann sieht in der Tatsache, dass in besagter Entfernung von 930 m ein weiterer Supermarkt entstehen soll, keinerlei Relevanz. Auf konkrete Nachfrage des Gemeinderats Marcus Franklin, warum das denn so sei, begründete Hörmann seine Antwort damit, dass die beiden neuen Supermärkte ja schließlich in unterschiedlichen Ortsteilen lägen und die kurzen Distanzen daher nicht relevant seien.

 

„Diese Aussage ist eine absolute, beraterische Prachtleistung. Da wundert es mich nicht, dass man uns in Oberhaching aus dem gleichen Munde einreden will, dass ein ortsansässiger Elektronikfachmarkt dreimal so viel Unterhaltungselektronik verkauft, wie in der gesamten Gemeinde im Internet bestellt würde. Eine Äußerung zu Glaubwürdigkeit der Beratungsfirma erübrigt sich. Darüber hinaus ist die Größe des Bauvorhabens im Verhältnis (0,8) zur Grundstücksgröße in der Gemeinde einzigartig und zumindest auffällig.“ ergänzt Gerhard Pisl, 2. Vorsitzender der Vereinigten Freien Wähler Oberhaching.

 

Die Oberhachinger Ärztin Dr. Claudia Ertl schließt dann so auch mit den Worten: „Unter Berücksichtigung aller wesentlichen Beurteilungsfaktoren, wie Verkehr, Lärm, Nahversorgung, Vernichtung des innerörtlichen Gewerbes und der künftigen Mobilitätsansprüche ist dieses Vorhaben realitätsfremd. Was ist denn an der Überlegung eines Discounters im Oberhachinger Randbereich so verwerflich? Viele Oberhachinger Bürger wünschen das.“

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