Leserbrief zum Thema Schadstoffmessungen Kindergarten Bajuwarenring

Zum Artikel „Oberhachinger Vorsicht; Etwas Styrol in Kindergartenluft - Gemeinde forscht nach“ vom 03.02.2012 und „Styrol-Werte in Kita unter dem Richtwert“ vom 07.02.2012:

 

Nicht mit „Oberhachinger Vorsicht“, sondern mit „Oberhachinger Nachsicht“ sollte der Artikel über Styrol in der Kindertagesstätte am Bajuwarenring betitelt werden. Es wird berichtet, der Bürgermeister würde sich denjenigen Kindern gegenüber vorsichtig und fürsorglich verhalten, die jeden Tag die von Styrol geschwängerte Raumluft in der Kita am Bajuwarenring einatmen.

 

Es wird versucht, den Eindruck von Sorgfalt zu vermitteln. Der Artikel verschweigt aber, dass bei Planung und Bau der Kita übersehen wurde, in technischer Hinsicht gegen unzuträgliche Raumluft vorzusorgen. Letztlich hat es der von der Gemeinde beauftragte „Unterarchitekt“ (vgl. Berichterstattung zu den explodierten Baukosten) übersehen, das Gebäude nach den heute gültigen Regeln der Technik zu planen und bauen zu lassen.

 

Wie sonst ist es zu erklären, dass einerseits nach Energieeinsparverordnung dichte Fenster verwendet wurden, ohne andererseits dafür zu sorgen, dass der nach verbindlich einzuhaltenden technischen Baubestimmungen hygienische Luftaustausch so stattfindet, dass nicht nur Schadstoffe aus Baumaterialien, sondern auch die Stoffwechselprodukte (z.B. Kohlendioxid, Wasserdampf und damit auch Bakterien) der Kinder aus er Raumluft entfernt werden.

 

Die „Ursachenforschung“ kann sich die Gemeinde sparen. Wenn man eins und eins zusammenzählt ist es versäumt worden, sich im Vorfeld der Planungen über den „Stand der Technik“ zu informieren. Das Erfordernis eines hygienischen Luftaustausches wurde entweder nicht erkannt oder ignoriert.

Man mag es kaum glauben, aber es werden heute Kindergärten und Schulen, die erst wenige Jahrzehnte alt sind, bei ihrer Sanierung sogar nachträglich mit raumlufttechnischen Anlagen ausgestattet, damit die Kinder von Schadstoffen in der Raumluft geschützt werden. In Miesbach zum Beispiel wurde eine alte Kita wie genannt saniert, in Oberhaching baut man für das einskommafünffache der veranschlagten Kosten ein nagelneues Gebäude, das nicht einmal die Anforderungen erfüllt, die andere Gemeinden für ihre alten Gebäude aufstellen.

 

Die Ergebnisse der ersten Raumluftmessungen liegen der Gemeinde seit Mitte Oktober 2011 vor. Damit „keine Gerüchte“ aufkommen (wie Bürgermeister Schelle zitiert wird…), wird man die Frage stellen dürfen, warum die Verantwortlichen im Rathaus nun nach erst 4 Monaten mit einem Rundbrief die Eltern informieren. Als Vater zweier Kinder in dieser Kita habe ich erst auf Anfrage im Rathaus den Ergebnisbericht der Messungen ausgehändigt bekommen, nachdem der zuständige Sachbearbeiter zunächst die Herausgabe verweigert hatte.

 

Der zweite Rundbrief hängt an der Kita nun seit ca. 07.02. aus. Hier wird das Landratsamt München zitiert, wonach „bei entsprechender Lüftung der uneingeschränkte Betrieb“ möglich sei. Wie die „entsprechende Lüftung“ sichergestellt werden soll, ist aber noch nicht beantwortet worden. Sicher sieht das „Lüftungskonzept“ des Unterarchitekten vor, die Lüftung mit Öffnen der Fenstern sicherzustellen. An dieser Stelle wird selbst der Laie verstehen, dass ein so „sichergestellter“ hygienischer Luftwechsel unmöglich ist.

Das einzige was gegen die zu hohen Werte getan wird ist, dass die Messungen wiederholt werden. Dadurch wird nur bestätigt was ohnehin schon bekannt ist. Um die Raumluft schadstofffrei zu halten ist ganz einfach eine automatisch wirkende Lüftungsanlage erforderlich.

 

Der Antrag von Gemeinderat Franklin, wonach die Raumluftmessungen auf CO2-Werte erweitert werden, wurde vom Bau- und Werkausschuss des Gemeinderates einstimmig abgelehnt. Die hier tätigen Bürgervertreter haben damit den Beweis erbracht, überhaupt nicht verstanden zu haben, um was es geht!

 

Und die Aussage des Bürgermeisters, wonach die Ursache der erhöhten Styrolwerte nun auf z.B. „den Klebstoff von billigen Turnschuhen“ zurückzuführen sei, muss wohl als Versuch gewertet werden, die Verantwortung auf die Eltern abzuwälzen, die ihren Kindern billige Turnschuhe kaufen…

Man darf hoffen, dass beim bevorstehenden Neubau der Grundschule Deisenhofen ein wirksames Lüftungskonzept berücksichtigt wird, sonst haben diejenigen Kinder das weitere Nachsehen, die dann in diese Grundschule gehen werden!

 

Christian Streibel
Deisenhofen

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